Urlaubstage: wer hat die meisten, wer die wenigsten

Vom 01.08.2016

Abwesenheitsnotizen, leere Schreibtische: Es ist Urlaubszeit in Deutschland. Wie steht es eigentlich um Ihren Urlaubsanspruch – liegen Sie im Durchschnitt?

Sonne, Strand und Meer – für Viele der Inbegriff des Sommerurlaubs. Allerdings haben nicht alle Deutschen gleich viel Anspruch auf Urlaub. (Foto: Picture Alliance)

Sonne, Strand und Meer – für Viele der Inbegriff des Sommerurlaubs. Allerdings haben nicht alle Deutschen gleich viel Anspruch auf Urlaub. (Foto: Picture Alliance)

 

Passend zum Sommer haben wir herausgefunden, wie viele Tage Urlaub den Deutschen durchschnittlich zustehen. Unsere aktuelle Untersuchung, in der wir den Urlaubsanspruch von Branchen und Berufen einzeln betrachten, basiert auf den gleichen Datensätzen wie eine zuvor ermittelte Studie zu den Überstunden in Deutschland. Die Ergebnisse zu den Überstunden in Deutschland können sie auf Bilanz.de noch einmal nachlesen.

Es handelt sich hierbei um Durchschnittswerte. Innerhalb aller genannten Berufe und Branchen kommt es selbstverständlich zu Schwankungen – wobei gilt: generell haben tariflich geregelte Arbeitsverhältnisse einen höheren Urlaubsanspruch als nicht tariflich geregelte.

Durchschnittlich 27 Urlaubstage haben deutsche Beschäftigte

Die Mehrheit, nämlich 58 Prozent, der Deutschen hat 30 Tage im Jahr frei. Tatsächlich liegt der durchschnittliche Urlaubsanspruch aber bei 27 Tagen.

Mehr als 30 Tage frei machen laut Studie insgesamt nur 3,4 Prozent. Nur 1,6 Prozent der Beschäftigten erhalten den gesetzlichen Mindestanspruch von 20 Urlaubstagen. 8 Prozent der Beschäftigten können sich im Jahr an 24 Tagen eine Auszeit vom Job nehmen.

Pharma-Referenten, Ingenieure und Filialleiter haben den höchsten Urlaubsanspruch

Die meisten Abwesenheitsnotizen werden wir unter anderem von Pharma-Referenten, Ingenieuren, Filialleitern in Banken oder Oberärzten lesen können. Diese Berufe gehören zu denjenigen mit dem höchsten Urlaubsanspruch. Sie erhalten durchschnittlich 30 freie Tage.

Oben auf mit rund 29 Tagen sind außerdem weitere Führungspositionen wie Chefärzte und Filialleiter im Groß- und Einzelhandel, aber auch Firmenkundenberater in Banken und SAP-Entwickler.

Nebst Berufen können wir auch die Branchen ermitteln, in denen Beschäftigte über einen hohen Urlaubsanspruch verfügen: Diese stimmen – wie nicht anders zu erwarten –  beinahe mit den eben genannten Berufen überein: 29 freie Tage erhalten Arbeitnehmer unter anderem im Bereich Investitionsgüter, im Großhandel, in der Halbleiter- und in der Autoindustrie sowie in Banken.

Geringverdiener mit wenig Urlaub

Den geringsten Anspruch auf Urlaub haben Beschäftigte in der klassischen Dienstleistungsbranche und im Sozial- und Gesundheitswesen: Im Call Center, in der Rechtsberatung sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe können Arbeitnehmer mit rund 26 Urlaubstagen rechnen.

Die Werbe- und Touristikbranche sowie soziale Einrichtungen, das Gesundheitswesen und Zeitarbeitsunternehmen liegen mit rund 27 Tagen voll im Landesdurchschnitt, allerdings gibt es auch innerhalb dieser Branche wieder unterschiedliche Ansprüche. Ebenso ist eine Aufstockung des Urlaubs – unabhängig von tariflichen Konditionen – nicht immer verhandelbar.

In unserer Studie haben wir außerdem konkrete Berufe ermittelt, die durchschnittlich den geringsten Urlaubsanspruch aufweisen. Lediglich 24 Urlaubstage erhalten die ohnehin schon niedrig entlohnten Friseure und Kosmetiker, Kellner haben durchschnittlich 25 Tage.

Eine Anzahl von 26 Urlaubstagen konnten wir unter anderem bei Köchen, Zahntechnikern, Physiotherapeuten, Steuerfachangestellten oder Rezeptionisten ermitteln.

Die Region beeinflusst den Urlaubsanspruch

Die Auswertung zeigt, dass auch der Arbeitsort eine Rolle hinsichtlich der Anzahl der Urlaubstage spielt. Insbesondere Beschäftigte in den neuen Bundesländern (PLZ 0) können durchschnittlich nur 26,5 Urlaubstage aufweisen.

Den höchsten Urlaubsanspruch haben dagegen Arbeitnehmer in Baden-Württemberg (PLZ 7) mit durchschnittlich 28 Tagen. Wenn wir einen Blick auf die Verteilung der Urlaubstage in ganz Europa werfen, wie in dieser Übersicht, schneidet Deutschland neben Frankreich am besten ab.

Eindeutige Korrelation zwischen Gehalt und Urlaubsanspruch

Es besteht eine Korrelation zwischen der Höhe des Gehaltes und der Anzahl der Urlaubstage – mit steigendem Lohn steigt auch der Urlaubsanspruch.

Beschäftigte aus Autoindustrie und Banken, insbesondere in Führungspositionen erhalten im Verhältnis hohe Gehälter, sie tragen jedoch viel Verantwortung über Kosten, Personal und Entwicklung. Hierbei spielt das Alter und die damit verbundene lange Berufserfahrung eine entscheidende Rolle. Ein höherer Anspruch auf Urlaub erscheint da also gerecht.

Wer unter 20.000 Euro im Jahr verdient, hat durchschnittlich 24 Urlaubstage. Kollegen, die mehr als 61.000 Euro im Jahr erhalten, können fünf Tage länger frei machen: Sie erhalten durchschnittlich 29 Tage.

Lauter werdende Rufe nach Work-Life-Balance

Die Rufe nach einer angemessenen Work-Life-Balance werden lauter: zukünftige Generationen wollen anders arbeiten – die Nachfrage nach Optionen wie Home Office oder flexibleren Arbeitszeiten sowie auch nach Urlaub und Sabbaticals steigt.

Karriere ist nicht unbedingt out, aber entwickelt sich gleichwertig neben Freizeit, Familie, Gesundheit und Selbstverwirklichung und vielen anderen Bereichen.

Unternehmen und Betriebe müssen hier reagieren und Arbeitsprozesse und Strukturen optimieren, um diesen künftig immer größer werdenden Anteil an Mitarbeitern in ihrem Betrieb zu halten. Es zählt nicht mehr unbedingt der Firmenwagen, dafür aber Freizeit – und eben auch Urlaubstage.

Hier finden Sie die komplette Studie zum Arbeitszeitmonitor 2016.

 

Lesen Sie, wie sich Deutschland in Sachen Urlaub im internationalen Vergleich schlägt.