Warum mein nächstes Auto ein Opel sein wird

Vom 22.02.2017

Die Nachricht, dass Opel an PSA Peugeot-Citroën verkauft werden soll, hat nicht nur die Finanzwelt und die „Opelaner” aufgewühlt. Heute sind wir alle Opel.

Geplante Übernahme: Der französische Autobauer PSA hat Opel eine Jobgarantie bis Ende 2018 zugesagt. (Foto: Getty Images)

Geplante Übernahme: Der französische Autobauer PSA hat Opel eine Jobgarantie bis Ende 2018 zugesagt. (Foto: Getty Images)

 

Mein erstes Auto war ein Opel Kadett, Modell A. Ich bekam ihn von meinem Vater zum Abitur geschenkt, natürlich gebraucht. Nach heutigen Massstäben ein Kleinwagen mit einem 40-PS-Motor, ohne Servolenkung, ohne Servobremsen, ohne Klimaanlage.

Obwohl das Getriebe „vollsynchronisiert” war, wurde dem Fahrer empfohlen, beim Herunterschalten in den ersten Gang Zwischengas zu geben. Für damalige Verhältnisse war es trotzdem ein cooles Auto, auch weil es irgendwie amerikanisch war, obwohl es in Rüsselsheim produziert wurde. Denn hinter Opel stand General Motors, so wie Elvis Presley hinter Peter Kraus stand oder schwebte, wenn der „Sugar Baby” sang.

Und so wie man seine erste Liebe nicht vergisst, erinnert man sich sein Leben lang an das erste Auto, wobei natürlich die Erinnerung alles vergoldet, das erste Auto und die erste Liebe. Neulich habe ich tatsächlich einen Opel Kadett, Modell A, auf der Straße gesehen. Ich war alt geworden, er dagegen sah wie neu aus, als wäre er eben vom Band gerollt. „Ich hätte ihn nie verkaufen dürfen”, dachte ich, „was für ein schönes kantiges Ding, das noch wie ein richtiges Auto aussieht.”

Und nun lese ich, dass General Motors seine deutsche Tochter Opel verkaufen will, an den französischen Konzern PSA Peugeot-Citroën. An sich keine große Sache, der Emir von Katar hat sich bei Volkswagen eingekauft, knapp sieben Prozent von Daimler gehören der Regierung von Kuwait, und beim Augsburger Roboterhersteller Kuka haben inzwischen die Chinesen das Sagen.

Opel ist so deutsch wie die Schwarzwälder Kuckucksuhr

Warum auch nicht? Deutsche Unternehmen kaufen Firmen im Ausland auf. Die Post hat den amerikanischen Paketzusteller DHL übernommen und Bayer ist im Begriff, den Saatguthersteller Monsanto zu schlucken.

Aber Opel ist eine andere Geschichte. Obwohl seit 1929 im Besitz von General Motors ist der Autobauer so deutsch wie die Schwarzwälder Kuckucksuhr oder Asbach Uralt.

Als VW 1937 als „Gesellschaft zur Vorbereitung des Volkswagens” gegründet wurde, hatte Opel schon über 65.000 „Volkswagen” produziert, den legendären P4, das Jedermannauto, das nur 1.500 Reichsmark kostete, so viel wie ein Angestellter in sechs Monaten verdiente.

Deswegen hat die Nachricht, Opel solle an einen französischen Konkurrenten verkauft werden, nicht nur die Finanzwelt und die „Opelaner” aufgewühlt. Heute sind wir alle Opel.

Der Opel Manta wurde Objekt zahlloser Witze

Dabei litt die Marke lange unter einem schlechten Image. Opel war das Auto für Spießer, die auch am Steuer den Hut aufbehalten wollten. Der Opel Manta, ein fünfsitziges „Sportcoupé”, wurde Objekt zahlloser Witze, die sich um Angeber, Machos und Loser drehten, die Vokuhilafrisuren und Cowboystiefel trugen.

Eine grosse Werbekampagne („Umparken im Kopf”), die mit den Vorurteilen aufräumen wollte, wurde zwar viel beachtet, schaffte aber keine Trendwende, obwohl Jürgen Klopp und Bettina Zimmermann sich mächtig ins Zeug legten.

„Aus Höflichkeit hat noch keiner gelacht”, sagen Varietékünstler. Auf Autofahrer übertragen heißt das: Niemand kauft ein Auto, um einem Hersteller in Not unter die Arme zu greifen, auch wenn er ordentliche Autos baut. Ich aber halte zu Opel. Mein nächstes Auto wird ein Kadett, Modell A. Oder besser: ein Kapitän B, der bis 1970 produziert wurde.