Trumps rosiges Szenario

Vom 24.02.2017

Der US-Präsident hat bereits im Wahlkampf ein Wirtschaftswachstum von vier Prozent versprochen. Prognosen liegen aber gerade mal über der Hälfte.

Die US-WIrtschaft wuchs im vergangenen Jahr nur um 1,6 Prozent. (Foto: Getty Images)

Die US-WIrtschaft wuchs im vergangenen Jahr nur um 1,6 Prozent. (Foto: Getty Images)

Das „Wall Street Journal” hat gerade berichtet, dass der Haushaltsplan der Trump-Regierung von einem sehr hohen Wirtschaftswachstum in den kommenden zehn Jahren ausgeht, nämlich von drei bis dreieinhalb Prozent im Jahr.

Doch wie kam es zu dieser Zahl? Sie haben einfach andersherum gerechnet, indem sie ausgerechnet haben, welches Wachstum nötig ist, um die gewünschten Haushaltszahlen zu erreichen. Wo bleibt die denn da die Glaubwürdigkeit!

Ich will hier erklären, wieso eine solche Zahl unglaubwürdig ist – nicht unmöglich zu erreichen, aber darauf sollte keine zentrale Finanzprognose basieren.

Die behaupteten Ergebnisse der Trumponomics sind fast die höchsten Wachstumsraten einer Regierung der vergangenen Jahrzehnte. Unter Reagan stieg das reale Bruttoinlandsprodukt jährlich um 3,4 Prozent; bei Clinton waren es 3,7 Prozent (aber verraten Sie das nicht den Republikanern). Jedoch spricht viel dafür zu glauben, dass ein solches Wachstum derzeit unwahrscheinlich ist.

Erstens, wegen der Demografie: Als Reagan an die Regierung kam, stiegen die sogenannten Babyboomer und Frauen noch ins Berufsleben ein. Heute gehen die Babyboomer in Rente. Daten der Vereinten Nationen zufolge sieht die Wachstumsrate der 20- bis 64-jährigen Bevölkerung, also des Teils der erwerbsfähigen Bevölkerung, so aus:

(Quelle: Vereinte Nationen)
(Quelle: Vereinte Nationen)

Allein aufgrund der demografischen Entwicklung läge das Wirtschaftswachstum wahrscheinlich rund einen Prozentpunkt unter dem bei Reagan. Außerdem hat Trump anders als Reagan und Clinton kein Chaos übernommen; beide kamen in einer angeschlagenen Wirtschaftslage mit einer Arbeitslosigkeit von über sieben Prozent ins Amt.

 

Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis.
(Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis)

Eine grobe Rechnung: Eine erhöhte Arbeitslosenquote um zwei Punkte bedeutet nach Okuns Gesetz eine Produktionslücke von vier Prozent, über einen Achtjahres-Zeitraum kostet das also einen halben Prozentpunkt an Wachstum.

Selbst wenn wir (fälschlicherweise) die Reagan-Politik für die Erholung der Konjunktur nach 1982 loben und (zu Unrecht) glauben, dass die Trumponomics wunderbare Impulse à la Reagan bewirken, sollte man dennoch von einem Wachstum von zwei Prozent oder weniger ausgehen.

Vielleicht passiert etwas Fantastisches: Fahrerlose oder fliegende Autos werden alles verändern, oder was auch immer. Aber Sie sollten sich nicht darauf verlassen.

 

© 2017 The New York Times. Aus dem Englischen übersetzt von Melanie Loos.