Von Disinflationsangst zu Wirtschaftswachstum?

Vom 07.03.2017

Die sinkende Inflationsrate der vergangenen Jahre scheint vom Tisch. Aber hemmen die Ungleichgewichte in den Schwellenländern und die Angst vor Stagnation weiteres Wachstum?

Disinflation, die Lage in Schwellenländern und Stagnationsängste bestimmten zuletzt das Wirschaftswachstum. (Foto: Getty Images)

Disinflation, die Lage in Schwellenländern und Stagnationsängste bestimmten zuletzt das Wirschaftswachstum. (Foto: Getty Images)

 

Die langfristige Entwicklung fast aller Finanzanlagen hängt ganz maßgeblich von der Erwartung ab, wie stark die Wirtschaft künftig sowohl real als auch nominal wächst. Folgerichtig spielt die Inflationsrate eine wichtige Rolle.

Dabei ist gerade in den vergangenen zwei Jahren deutlich geworden, dass die Preisentwicklung auch einen entscheidenden Einfluss auf das reale Wachstum besitzt: So hatte der starke Preisverfall bei Rohstoffen und die Aufwertung des US-Dollar massive Auswirkungen auf bestimmte Sektoren und ganze Volkswirtschaften, vorwiegend den Energie- und Rohstoffsektor und einige Schwellenländer. Deren Wachstumsschwäche hatte wiederum Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft.

Die gute Nachricht ist, dass dieser disinflationäre Schock abgeklungen ist. Dies hat die Basis dafür gelegt, das Wachstumsmoment der Weltwirtschaft zu beschleunigen, da die Unternehmensgewinne und auch das Vertrauen der Unternehmen in die wirtschaftliche Entwicklung gestiegen sind. Solange wir in den kommenden Monaten keine gravierenden externen Schocks – beispielsweise im politischen Bereich – erleben, dürfte dieses Wachstumsmoment eine große Kraft entfalten.

Denn die steigenden Einnahmen der Unternehmen dürften dann auch wieder größere Ausgaben nach sich ziehen. Mit anderen Worten, die Korrelation von Einnahmen und Investitionen dürfte wieder zunehmen. Entsprechende positive Signale sind erkennbar, übrigens auch beim Beschäftigungswachstum in den Industrienationen und beim Verbrauchervertrauen.

Allerdings ist das nicht die ganze Geschichte: Denn neben dem disinflationären Schock haben auch massive Ungleichgewichte in den Schwellenländern und fundamentale Stagnationsängste der Marktteilnehmer das globale Wirtschaftswachstum seit 2011 ausgebremst. Diese beiden Faktoren müssen Anleger weiterhin genau im Auge behalten.

Schwellenländer: Wachstum kontra Schuldenabbau

Bei den Schwellenländern ist dabei ein Blick auf deren Staatsverschuldung entscheidend. In den vergangenen Jahren haben sich die Schwellenländer bemüht, ihre Verschuldung zu reduzieren oder zumindest zu verlangsamen.

Die Erfahrung aus der Vergangenheit belegt, dass dies eine Verlangsamung ihres Wirtschaftswachstums mit sich bringt. Allerdings kann ein deutlicher Abbau des Schuldenstands im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt in der Folge wieder zu einem Anstieg des nominalen Wirtschaftswachstums führen.

Diese positive Entwicklung könnte in den Schwellenländern nun anstehen – sicher ist das allerdings nicht. Denn die Kapitalflüsse in und aus den Schwellenländern könnten auch dazu führen, dass die betroffenen Staaten ihre Sparanstrengungen noch verschärfen. Und China hat zudem noch nicht einmal angefangen, sich dem Thema Staatsschulden anzunehmen.

Vertrauensvorschuss für Trump

Und die oben angesprochenen fundamentalen globalen Stagnationsängste? Hier scheint die Politik von Donald Trump Positives zu bewirken und das Vertrauen der US-amerikanischen Konsumenten und Unternehmen zu stimulieren.

Dieser Prozess könnte noch genügend Fahrt aufnehmen, um die Wirtschaft auf ein neues Level mit mehr Investitionen und höherem Produktivitätswachstum zu heben. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Trump steuerliche Anreize schafft, die die Angebotsseite fördern.

Das ist natürlich noch nicht sicher, und Trumps andere politische Absichten, wie zum Beispiel der Protektionismus, können immer noch einen andauernden Vertrauensverlust nach sich ziehen.