Deckel drauf, Problem gelöst?

Vom 07.03.2017

Die Botschaft klingt verlockend einfach. Es bedarf nur einer Obergrenze für Managergehälter und schon geht´s gerechter zu im Lande.

Wahlkampfthema: Die SPD will Managergehälter begrenzen. (Foto: Getty Images)

Wahlkampfthema: Die SPD will Managergehälter begrenzen. (Foto: Getty Images)

Wer polarisiert, mobilisiert. Selten traf das so zu, wie in diesen Tagen. Das Rezept hierfür: Zunächst stellt man das kritikwürdige Verhalten einer extrem kleinen Gruppe von Spitzenmanagern in den Vordergrund, bedient ehedem vorhandenen Ressentiments gegenüber dieser Berufsgruppe als Ganze und verstärkt die vorhandene negative Stimmung und Empörung des geneigten Publikums.

Zuletzt präsentiert man dann eine vermeintlich einfache Lösung, die dem unmoralischen Treiben dieser raffgierigen, hemmungslosen Abzocker, per Gesetz, Einhalt gebieten soll. Eine „Gierbremse“ – Deckel drauf, Problem gelöst! Das ist ein undifferenziertes und polemisches Wahlkampfgetöse. Wie zu Schulzeiten, wird die gesamte Klasse kollektiv für das Fehlverhalten Einzelner bestraft. „Setzen!“

Kollektive Bestrafung für das Fehlverhalten Einzelner

Aber reicht Manager-Bashing aus, um die Frage nach leistungsgerechten Bezügen in der Zukunft hinreichend zu beantworten? Und wer entscheidet darüber, der Gesetzgeber?

Sind Politiker, die sowieso nicht persönlich für ihre Entscheidungen haften, dazu legitimiert, die Gehälter von Managern zu regeln? Und nur weil sie es über den „Haupteingang“, das Eigentumsrecht nicht können, probieren sie es über die „Hintertüre“, die Steuerlast der Unternehmen?

Unter Compliance-Gesichtspunkten haben die Parlamentarier doch eigentlich schon genug Rechtfertigungsprobleme mit ihren eigenen Diäten. Sie sind Entscheider und Begünstigte zugleich. Übertrüge man dieses Verfahren auf Unternehmen, würde das bedeuten, die Manager bestimmen ihr Gehalt selbst und nicht die Anteilseigner (Volk). Verzeihung, jetzt wird´s polemisch.

Im Ernst – ausgerechnet die Causa VW, die die Diskussion diesmal los getreten hat, soll als Blaupause für eine gerechtere Managerentlohnung dienen? Genau dort, wo Politik und Arbeitnehmer im Aufsichtsrat den größten Einfluss auf die Ausgestaltung der Vorstandsverträge hatten und gleichzeitig die größten Exzesse geschahen?

„Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!”

Wie war das trotz maximaler Mitbestimmung möglich? Wer sagte, der Vorstandsvorsitzende sei „jeden Cent wert“? Welche Formen der Unternehmens-Unkultur etablierten sich da im Laufe der Jahre und wer hat da seine Aufsichtspflichten verletzt? Einige von denen, die jetzt lautstark eine Obergrenze fordern, kritisieren eine Entwicklung, zu der sie selbst maßgeblich beigetragen haben.

Nein, die Verhältnisse bei VW, Deutsche Bank & Co sind in keiner Weise geeignet, beispielhaft die tatsächliche Situation der überwältigenden Mehrheit von verantwortlichen Führungskräften in Deutschland, auch nur ansatzweise korrekt zu beschreiben.

Dr. Alexander von Preen von Kienbaum Consultants wies jüngst in einem Interview darauf hin, dass es bei den deutschen börsen- und nichtbörsennotierten Unternehmen ganz überwiegend keine dramatische Spreizung der Vergütungsrelation zwischen Vorstand und Belegschaft gibt.

Demnach ergab eine aktuelle Erhebung, im Schnitt verdienen Vorstandsvorsitzende das 17-fache ihrer Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder, circa das 11-fache. In kleineren Unternehmen wird der Abstand noch geringer.

Doch im Unterschied zur haftungsprivilegierten Belegschaft, haften Manager unbegrenzt und persönlich für fahrlässige Pflichtverletzungen. Darüber hinaus: Sie tragen die gesamte Verantwortung für den Unternehmenserfolg. Es ist wie in der Welt des Fußballs, bei Misserfolg ist man schnell draußen, manchmal auch mit Reputationsverlust.

Im Schnitt verdienen Vorstandsvorsitzende das 17-fache ihrer Mitarbeiter

Es geht nicht um wie auch immer geartete Deckel oder Obergrenzen. Das sind Nebelkerzen, die Gerechtigkeit suggerieren, aber in die Irre führen, Mittelmaß produzieren und fatale Folgen im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe für Deutschlands Wirtschaft haben können.

Nein, allein die Unternehmen und ihre Eigentümer sind auch weiterhin in der Pflicht, über die Angemessenheit von Vergütungen ihrer Manager zu bestimmen, nicht die Politik.
Die zukünftigen Herausforderungen sind anderer Natur und erheblich komplexer.

Die Frage lautet: Wie entwickelt man ein praktikables Anreiz- und Vergütungssystem im Unternehmen, das gute Leistungen belohnt und schlechte sanktioniert und darüber hinaus langfristige und mehrjährig in die Zukunft gerichtete variable Komponenten enthält, die zur dauerhaften Wertschöpfung des Unternehmens beitragen und insgesamt eine sozial verträgliche Vergütungsrelation aller Mitarbeiter gewährleistet?

Eine Fehlentwicklung der vergangenen Jahre war sicherlich, dass viele Bonussysteme, oft durch Investoren getrieben, den „short term profit“ im Fokus hatten und die variablen Vergütungsanteile immer weiter gestiegen sind. Das sollte runtergeschraubt werden.

Wenn man ein ganzes Jahresgehalt und mehr zeitnah hinzuverdienen kann, dann sind die Komponenten, die dazu verleiten, kurzfristige risikoreiche Entscheidungen zu treffen, falsch gewählt.

Variable Vergütung runterschrauben und Bonus-Malus-Regeln einführen

Wer maximal 60 Prozent seines Jahresgehalts als Bonus oben drauf erhält und das auch erst nach fünf Jahren, aufgrund des tatsächlichen Erreichens wertvoller und nachhaltiger Ziele für das Unternehmen, der definiert Erfolg für sich und das Unternehmen anders!

Insbesondere, wenn er die Boni im Falle schlechter Leistungen zurückzahlen muss (Clawback). Ein Höchstmaß an Sorgfalt, mit der er im eigenen und im Interesse des Unternehmens schwerwiegende Entscheidungen trifft, wäre gewährleistet und das Vertrauen der Belegschaft und der Anteilseigner in die Unternehmensführung gestärkt.

Es ist die Pflicht der Eigentümer, respektive des dazu ermächtigten Aufsichtsrates, zum Wohle des Unternehmens, Vergütungsregeln so zu gestalten, dass sie anerkannten Standards guter Unternehmensführung genügen, den Betriebsfrieden sichern und die ethischen Normen der Gesellschaft berücksichtigen.

Die Aufgabe der Manager ist es, die Unternehmen, für die sie Verantwortung tragen, zu erhalten, die Arbeitsplätze zu sichern und den Unternehmenswert langfristig zu steigern. Nicht in erster Linie den Aktienwert, auch wenn das mancher Anteilseigner, der auf schnelle Gewinne fokussiert ist, anders sieht.

Wenn dem Manager das mit einer klugen Strategie, dem richtigen Geschäftsmodell und guten Produkten im Markt langfristig erfolgreich gelingt, kurz, wenn er einen guten Job gemacht hat, dann ist er „jeden Cent wert“.